Die Zucht

 Was ist das überhaupt? Kann ich das auch? All dies versuche ich hiermit im kurzen und bündigen Stil zu beantworten:

1. - Mal von den Seidenhühnern abgesehen - was ist züchten?

Um es mit eigenen Worten zu erklären, ist züchten eigentlich nicht mehr, als Tiere nach ihren Rasseeigenschaften gezielt zu vermehren. Hört sich einfach an, ist es aber nicht immer. Bevor man jedoch weiterliest sollte man sich diese beiden Fragen stellen: Habe ich ausreichend Zeit, Leidenschaft und Wissen für die Zucht? Möchte ich Hühner nur für die Leistung von Eiern/Fleisch/Federn halten oder kann ich in Sachen Leistung auch mal Abstriche machen und mich umso mehr auf die Ausstellung freuen? Wenn bei Ihnen das Wohl der Tiere im Vordergrund steht und Sie sich auch mal von einem geliebten aber nicht zuchtreinen Tier trennen können (was selbst mir oftmals sehr, sehr schwerfällt) steht Ihrer Zucht eigentlich nicht mehr viel im Weg.

 

 

Der Zuchtstandart sagt, man solle dies bei der Zucht beachten:

  • breiter Rumpf
  • voll befiederter Hals
  • breiter, kurzer, nach hinten ansteigender Rücken
  • breite Schultern
  • breite, waagerechte und anliegende, leicht zerschlissene Flügel
  • einen vollen, weichen Sattel
  • einen runden, angehobenen, möglichst zerschlissenen Schwanz
  • eine volle, breite und runde Brust
  • Ein reich befiederter Bauch
  • Einen kleinen, gerundeten Kopf
  • ein leuchtend rotes Gesicht
  • Walnusskamm
  • runde, rote Kehllappen
  • kleine, rote Ohrscheiben
  • große, orangerote Augen
  • Kurzer, gelber Schnabel
  • mittelgroßer Schopf
  • kurzer Schenkel
  • gelbe, mittelange Läufe
  • fünf Zehen

Als Gesamteindruck wird verlangt:

Kleine, gedrungene, abgerundete Würfelform mit leicht ansteigender Rückenlinie und knapp mittelhoher Stellung. Voll entwickeltes, weiches Seidengefieder. Ein rotes Gesicht, Kamm, Kehllappen und Orscheiben, helle Haut sowie gelbe Läufe und orangeroten Augen.

 

Es gibt nur den einen weißen Farbenschlag, bei dem als Fehler ein stark gelber Anflug gewertet wird.

Die Gewicht sollen beim Hahn ca. um die 600g, bei der Henne um rund 500g liegen.

Die weiß bis cremefarbenen Eier sollten ein Gewicht von 28g als Bruteimindestgewicht haben.

Die Ringgrößen (Zuchttiere werden nur mit Ring anerkannt) betragen jeweils 12.

 

Der große Unterschied zwischen Siamesischen- und den weit verbreiteten Japanischen-Seidenhühnern liegt in der blauen Haut, die Japanische Tiere aufweisen.

 

 

Vererbung

 

Wie kommt es zu einer Rasse, bei der immer wieder die gleichen Merkmale auftreten und wie kann es zu Veränderungen bei den Nachkommen kommen? Dazu hat Gregor Mendel im 19. Jahrhundert die nach ihm benannten Mendelschen Gesetze entwickelt. Danach hat jede Art ein bestimmte Zahl an Chromosomen. Jedes Chromosom ist doppelt vorhanden (doppelter Chromosomensatz = 2n = diploid). In dem Keimzellen der Elterntiere befindet sich jedoch nur noch ein einfacher Chromosomensatz (haploid). Wenn nun die beiden haploiden Chromosomensätze der Eltern zusammenkommen, bildet sich ein neuer diploider Chromosomensatz beim Nachkommen.
Die Chromosomen sagen über alle Züge und Verhaltensweisen eines Lebewesens aus. In diesem Beispiel wird vereinfacht das Chromosom für schwarze Gefiederfarbe verwendet.

 

 

 
Der intermediäre Erbgang
       
 
Der dominant-rezessive Erbgang
Vereinfachte Darstellung eines intermediären Erbganges
Vereinfachte Darstellung eines idominant-rezessiven Erbganges

Schwarzer Punkt

= Gen für schwarzes Gefieder (dominant)

Weißer Punkt

= Gen für weißes Gefieder (rezessiv)

Beim intermediären Erbgang ist die Mutter reinerbig weiß und der Vater reinerbig schwarz. Das heißt, dass die Mutter zwei gleiche Gene für schwarze Gefiederfarbe und der Vater zwei gleiche Gene für weiße Gefiederfarbe besitzt. Bei der Befruchtung gibt nun jedes Elternteil ein Gen ab. Die Jungtiere besitzen nun alle ein schwarzes und ein weißes Gen. Genotyp (genetische Anlagen) und Phänotyp (äußere Merkmal) sind einheitlich. Die Nachkommen sind also grau. In der nächsten Generation sind als Elterntiere zwei Mischerbige vorhanden, d.h. sie sind sowohl vom Genotyp her, als auch vom Phänotyp schwarzweiß. Ihre Nachkommen sind nun zu 25 % reinerbig schwarz, weil in diesem Fall zwei schwarze Gene weitergegeben wurde. 50 % der Nachkommen sind wieder mischerbig, weil sie ein schwarzes und ein weißes Gen mitbekommen haben. 25 % der Nachkommen sind reinerbig weiß, weil sie von beiden Elterntieren das gen für weiße Gefiederfarbe mitbekommen haben.

Fazit: Schwarze und weiße Gene vererben sich im gleichen Verhältnis.

Beim dominant – rezessiven Erbgang sind die Elterntiere ebenfalls reinerbig schwarz und reinerbig weiß. Die Jungtiere bekommen wieder genotypisch ein schwarzes Gen und ein weißes Gen vererbt. Trotzdem sind sie phänotypisch schwarz. Das bedeutet, dass sich beim dominant – rezessiven Erbgang schwarz durchsetzt, wenn genotypisch schwarz und weiß vorhanden sind. Das schwarze Gen ist also dominant und das weiße Gen ist rezessiv. Bekommen jetzt diese genotypisch mischerbigen, aber phänotypisch schwarzen Tiere wieder Nachkommen so hat man zu 25 % reinerbig schwarze Tiere, weil sie zwei schwarze Gene der Elterntiere mitbekamen. 50 % der Nachkommen sind genotypisch wieder mischerbig, aber phänotypisch schwarz, da das dominante Gen wieder das schwarze ist. 25 % der Nachkommen sind wieder reinerbig weiß, da sie zwei weiße Gene der Eltern mitbekamen.

Fazit: Wenn ein Tier zwei schwarze Gene hat, muss es phänotypisch auch schwarz sein. Hat ein Tier ein schwarzes und ein weißes Gen ist es ebenfalls schwarz, da schwarz dominant ist und sich infolgedessen phänotypisch auswirkt. Weiße Tiere kann es nur geben, wenn beide Gene weiß sind.

Natürlich sind dies sehr einfache Erbgänge, da es in der Realität viel mehr Faktoren gibt, und es steht auch nicht ein Chromosom für eine Gefiederfarbe, aber als Einführung ist dies vollkommen ausreichend. Wer sich mit dem Thema genauer auseinandersetzten möchte, dem sei Fachliteratur angeraten.